Chronik der Beatband „Garage Players“

 

Der Gründungszeitpunkt der Band lag irgendwann im Herbst 1965 und geschah ganz spontan und unspektakulär in einer umfunktionierten Garage in Weimar in der Wilhelm-Külz-Straße.

 

Die Gründungsmitglieder waren Klaus † und Helmut Görmar (Lead- und Rhythmusgitarre), Rainer Hasert (Drums), Johannes Michaelis (Bass), und der damals noch neu hinzugekommene Helmut Franke, genannt „Mufti“ (Gesang).

 

Die noch in den Anfängen steckende Beatmusik beispielsweise von den „Beatles“, „Kinks“, „Searchers“, „Hermans Hermits“, „Swinging Blue Jeans“ und vielen anderen neu aufkommenden Bands drängte mit ursprünglicher und brachialer Gewalt über alle Ländergrenzen und war natürlich durch kleinkarierte Maßnahmen der Kultur-Oberen der DDR wie Auftrittsbeschränkungen und Vorschriften zur Anzahl der Gitarristen (!) in der Band nicht aufzuhalten.

 

Es wurde mit einfachsten Geräten (selbst gebaute und umfunktionierte Verstärkeranlagen, ja sogar Radios) und einfachsten Instrumenten Titel, wie „Day Tripper“, „Ticket to Ride“, „Sonny Afternoon“, „Needles and Pins“, „Hippy, Hippy Shake“ usw. geprobt und anfangs zu kleinen Anlässen gespielt.

Spätere Auftritte waren dann bereits beispielsweise in Sälen von Gaststätten z.B. in Saalborn „Zum Guten Kameraden“, Gelmeroda, Schöndorf oder in Klubhäusern, wie in Erfurt das „Hermann-Jahn-Heim“, „Eichsfelder Hof“ in Heiligenstadt und Kreiskulturhaus Worbis oder im Weimarer „Studentenklub Kasseturm“.

 

Als weitere damalige Bands aus Weimar und Umgebung mit den gleichen oder ähnlichen Ambitionen müssen hierbei unbedingt noch genannt werden „The madmen“, die „Pins“, die „Earls“, die „Lightnings“, „Relaisons“, die „Berconas“ und die „BS-Combo“.

 

Der Bassman „Hannes“ musste im Herbst 1967 leider zur „Fahne“ (damals „Nationale Volksarmee“) einrücken. Als Ersatz kam Wolfgang Herzig aus Apolda neu dazu.

 

1967 bis Mitte 1968 rollten dann die eingangs genannten „Gigs“ immer besser, trotz Druck durch die damalige staatliche Überwachungsbehörde „Abteilung Kultur“ beim Rat der Stadt Weimar.

Ab und zu gab es etwas Geld, als „Prämien“ bezeichnet, denn richtig verdienen durfte man nur als eingestufte Band, d.h., wenn man dann richtig unter staatlicher Kontrolle stand.

 

Die Band stellte sich dann auch einmal einer Einstufung im damaligen Klubhaus „Michael Niederkirchner“. Das vorgestellte Programm mit eigenen und auch DDR-Standardtiteln lief bestens und fehlerfrei. Da aber nicht sein konnte, was nicht sein durfte, erhielt die Band anfangs natürlich keine Einstufung.

Den damaligen „Empfehlungen“ der Kultur-Zensoren in der Stadtverwaltung entsprechend, mussten sich die „Garage Players“ in die Umbenennung des nichtssagenden Namens „GP-Combo“ fügen. Der Popularität hat das aber nicht geschadet, im Gegenteil.

 

Die Proben wurden ganz zu Anfang in der Garage in der „Külzstraße“, die uns freundlicherweise der Vater von Johannes zur Verfügung stellte, später dann im Kulturraum des „Museums für Ur- und Frühgeschichte“, daran anschließend im Kulturraum des „VEB Backwaren Weimar“ und im Kulturraum des Postamtes Weimar durchgeführt. Eine Raummiete wurde nicht erhoben. Die Bezahlung für diesen Freundschaftsdienst bestand in einem oder mehreren Auftritten zu Betriebsfeiern der jeweiligen Firma. Hier kann man sagen, dass es doch sogar viele ältere Sympathisanten der offiziell sogenannten dekadenten westlichen Beatmusik gab.

 

Die Band wurde 1968 durch den Pianisten Helmut Günther aus Saalborn erweitert, was insbesondere den Titeln der „Kinks“ sehr zu Gute kam und den Sound wesentlich verbesserte.

 

Im Herbst 1968 war der erste Teil der Geschichte der nun schon unter dem Namen „GP-Combo“ bekannten Band bereits beendet. Helmut Görmar verlor im August 1968 durch einen tragischen unverschuldeten Motorradunfall das rechte Bein und stieg damit aus. Sein Bruder, der Leadgitarrist Klaus stieg aus nicht bekannten Gründen ebenfalls zur gleichen Zeit aus.

 

Die Band lebte aber trotzdem weiter und das Niveau wurde immer besser.

 

Wolfgang Lorenz (heute bei "The New Old Faces") wurde der neue Gitarrist (ehemals „Pins“) und später spielte der Saxophonist Bernd Hüfner für kurze Zeit mit.

 

Durch Michael Lenhardt, Roland Wölfel und später Christoph Theusner entfernte sich die Band ab 1969 langsam vom Beat weg und über ein Blues-Intermezzo sowie Klassik-Adaptionen hin zu experimenteller Musik mit vielfältigen internationalen Einflüssen.

Im Mai 1970 fand mit dieser Besetzung, verstärkt durch einen Flötisten im Bad Berkaer Kino das erste Rockkonzert der DDR mit einem Riesenerfolg statt.

Nach dem Ausscheiden von Drummer Rainer Hasert im gleichen Jahr entwickelte sich aus „GP“ mit wechselnden Musikern die noch heute bestehende Gruppe „Bayon“.

 

Helmut Görmar

Rainer Hasert